Globale Bildungsarbeit im Rahmen des ESC
Internationale Bildungsprogramme sind ein wesentlicher Bestandteil des Europäischen Solidaritätskorps (ESC), das die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. (AGSA) aktiv begleitet. Ziel ist es, jungen Menschen nicht nur praktische Erfahrungen zu ermöglichen, sondern auch globale Zusammenhänge kritisch zu reflektieren und Verantwortung im Kontext weltweiter Ungleichheiten zu übernehmen.
Ein Bericht unserer Europäischen Freiwilligen Eman Tarek Elbassel aus Ägypten
Die Teilnahme am Global Education Lab in Bern bot mir die Gelegenheit, mich intensiv mit den Themen Zwangsarbeit, Menschenhandel und globale Lieferketten auseinanderzusetzen.
Teilnahme am Global Education Lab #2 in Bern
Mein Name ist Eman Tarek Elbassel. Ich komme aus Ägypten und absolviere derzeit meinen Freiwilligendienst bei der AGSA im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps. Im Zuge meines Engagements nahm ich am Global Education Lab #2 in Bern, Schweiz, teil.
Das von SCI Schweiz organisierte Programm brachte rund 15 ausgewählte Teilnehmende aus über 1.500 Bewerbungen weltweit zusammen. Vertreterinnen und Vertreter aus Pakistan, Hongkong, Indien, Brasilien, Marokko, Simbabwe, der Türkei und weiteren Ländern arbeiteten gemeinsam an Strategien globaler Bildungsarbeit.
Zwangsarbeit und globale Lieferketten als Bildungsthema
Über nahezu eine Woche hinweg verband das Programm theoretische Analysen mit praxisorientierten Methoden der non-formalen globalen Bildung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Themen wie moderne Sklaverei, Ausbeutung und Menschenhandel verständlich und wirkungsvoll in Bildungsprozesse integriert werden können.
Dabei wurde deutlich, wie eng globale Produktionsketten mit dem alltäglichen Konsum in Europa verknüpft sind – ein Zusammenhang, der auch für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit der AGSA von zentraler Bedeutung ist.
Begegnungen, die Perspektiven verändern
Besonders eindrücklich war der Beitrag einer Aktivistin und Überlebenden von Menschenhandel, die ihre persönliche Geschichte mit uns teilte. Diese Begegnung machte deutlich, dass hinter statistischen Daten konkrete Lebensrealitäten stehen.
In den Diskussionen wurde zudem herausgearbeitet, dass wirtschaftliche Strukturen, globale Ungleichheiten und intransparente Lieferketten zentrale Ursachen moderner Ausbeutung sind.
Medienarbeit und praktische Umsetzung
Im Rahmen des Programms entwickelte ich gemeinsam mit meinem Team eine englischsprachige Videoreihe, in der wir Interviews mit Expertinnen, Journalisten und Aktivistinnen führten. Ziel war es, komplexe Inhalte in zugängliche Bildungsformate zu übertragen.
Diese praktische Arbeit stärkte meine Kompetenzen in der Bildungs- und Medienarbeit – Fähigkeiten, die ich unmittelbar in meine Tätigkeit bei der AGSA einbringen kann.
Verantwortung von Wirtschaft und Konsumgesellschaft
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle internationaler Unternehmen und globaler Märkte. Anhand konkreter Beispiele diskutierten wir die Verantwortung von Wirtschaft und Konsumentinnen gleichermaßen. Es wurde deutlich, dass moderne Formen von Ausbeutung in globale wirtschaftliche Strukturen eingebettet sind, an denen auch nördliche Konsumgesellschaften beteiligt sind.
Der Austausch mit Teilnehmenden aus Journalismus und Menschenrechtsarbeit – darunter Vertreterinnen der Organisation „Repórter Brasil“ – verdeutlichte, wie wirkungsvoll Bildungsarbeit, Recherche und Aktivismus ineinandergreifen können.
Transfer in die Arbeit bei der AGSA
Die Teilnahme am Global Education Lab war ein bedeutender Bestandteil meines Freiwilligendienstes bei der AGSA. Internationale Trainings und Fachprogramme wie dieses ermöglichen es mir, globale Perspektiven in die lokale Bildungsarbeit einzubringen und methodische Kompetenzen weiter auszubauen.
Diese Erfahrung hat mein Verantwortungsbewusstsein geschärft und meine Motivation gestärkt, mich langfristig in der globalen Bildungs- und Menschenrechtsarbeit zu engagieren. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in zukünftige Projekte einfließen und damit auch die internationale und entwicklungspolitische Arbeit der AGSA bereichern.
