Als Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA) bringen wir Menschen, Initiativen und Institutionen zusammen, die internationale Begegnungen in Sachsen-Anhalt lebendig machen. Städte- und Regionalpartnerschaften sind dafür ein echtes Rückgrat: Sie schaffen Vertrauen, öffnen Türen für zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit und machen „Europa und die Welt“ ganz konkret vor Ort erlebbar. Im folgenden Interview gibt der Städtepartnerschaftsverein Halle (Saale) – Gjumri Einblicke in die Entstehung der Partnerschaft, die Motivation für das Engagement im AGSA-Netzwerk und in die Eindrücke der ersten Bürgerreise nach Armenien – inklusive Ausblick auf kommende Projekte und Herausforderungen im Ehrenamt. Eines der ersten Highlights wird der Armenische Abend im einewelt haus Magdeburg sein. Alle Informationen dazu finden sich auf www.agsa.de/va-details-agsa/armenischer-abend-mit-unserer-mo-german-armenian-friendship-society-halle-gyumri-e-v
Erzählt uns ein wenig über die Geschichte eures Vereins und der Städtepartnerschaft?
Armenien im südlichen Kaukasus blickt auf einen langjährigen freundschaftlichen Austausch mit dem Bundesland Sachsen-Anhalt zurück, da Armenien eine Partnerregion Sachsen-Anhalts ist und in Kulturfragen mit dem Gewicht der Bundesregierung agiert. Ein Zentrum dieser Beziehung ist dabei die Stadt Halle (Saale), welche viele Kooperationen mit Armenien im Bereich Kultur, Wissenschaft und Schule hat und hatte. In der christlich-armenischen Gemeinde in Halle (Saale) stammt ein Großteil der Gemeindemitglieder aus der Partnerstadt Gjumri (Gyumri). Somit wurde die Beziehung schon immer gepflegt und gelebt. Die Städtepartnerschaftsidee ist aus dieser Gemengelage entstanden und bringt die Beziehungen auf ein neues Niveau, da beide Städte viele Parallelen aufweisen. Die Partnerschaft kam 2023 offiziell zustande. Den Städtepartnerschaftsverein gibt es bereits seit 2020.
Ihr seid kurz nach der Gründung Mitglied bei der AGSA geworden, warum habt ihr euch dafür entschieden?
Eines unserer aktiven Mitglieder hat uns auf die AGSA aufmerksam gemacht. Das war im Zuge der Interkulturellen Woche. Dann haben wir uns als Verein näher mit der AGSA beschäftigt. Die Idee, das Miteinander und das Verständnis von Begegnungen passen wunderbar zu unserem Verein und dem Städtepartnerschaftsgedanken. Ich war dann beim Geschäftsführer der AGSA vorstellig und dabei wurde der positive Eindruck noch weiter verstärkt. Wir wollen hier auch in diesem sachsen-anhaltischen Netzwerk mitwirken! Wir haben dann basisdemokratisch unsere Mitgliedschaft bei der AGSA in unserer Mitgliederversammlung zur Wahl gegeben und wir haben ein einstimmiges Bekenntnis zur AGSA-Mitgliedschaft erhalten. Diese Entscheidung bereuen wir nicht.
Ihr habt vor kurzem die erste Bürgerreise durchgeführt. Welche Eindrücke habt ihr bekommen?
Sehr, sehr viele. Wir sind sehr dankbar, dass wir im Rahmen der Förderung für Internationales – Kommunalpartnerschaften des Landes Sachsen-Anhalts unsere erste Bürgerreise abhalten konnten. Die hallenser Partnerstadt Gjumri zeichnet sich durch die wunderbaren Initiativen der Zivilgesellschaft von Bürgerinnen und Bürgern aus. Wir wurden sehr warm begrüßt und aufgenommen. Dabei haben mich die Innovationsfähigkeit der Bürger Gjumris sowie das kulturelle Leben stark beeindruckt. Wir haben u. a. das innovative TUMO-Zentrum als Bildungsträger in Zukunftsfeldern in Gjumri besichtigen können und hinter die Kulissen des Puppentheaters Gjumri blicken können. Total spannend – auch mit Blick auf ein mögliches Miteinander in Halle (Saale).
Wir haben unsere Eindrücke in Form eines Reisepodcasts zusammengefasst:
Nah und Fern: Eine Reise in die Partnerstadt Gjumri – Radio CORAX
Das möchte ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen.
Was waren eure Highlights der Reise?
Highlights gab es sehr viele. Aber besonders schön war der gemeinsame Tag bei unserer Partnerschule. Da haben wir gemeinsam den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Es war zutiefst berührend.
Was hat euch überrascht?
Die Partnerstadt Gjumri hat zahlreiche Städtepartner auf der ganzen Welt. Die Städtepartnerschaft zwischen Halle (Saale) und Gjumri ist die jüngste Partnerstadt der beiden Städte. Weiterhin ist diese Partnerschaft die erste deutsch-armenische Städtepartnerschaft seit jeher. Somit betreten wir Neuland in diesem Bereich. Auf neuen Wegen überrascht uns so manches. Das ist Teil des Kennenlernens.
Ihr plant eine gemeinsame Veranstaltung mit der AGSA, erzählt uns davon?
Wir möchten möglichst vielen Interessenten von unseren Erlebnissen und Begegnungen unserer ersten Bürgerreise erzählen. Ferner war mein Wunsch, ein gemeinsames Event mit der AGSA durchzuführen. So ist diese Idee relativ schnell entstanden. Man muss auch dazu sagen, dass die AGSA uns mit Infomaterial bei der ersten Bürgerreise gut versorgt hat. Somit ist auch die AGSA in Gjumri keine Unbekannte mehr.
Was erwartet die Gäste auf dem Armenischen Abend?
Der Gast kann mit uns auf die akustische Reise in die Partnerstadt mitkommen. Wir zeigen Fotos, stellen unseren Städtepartnerschaftsverein vor und natürlich dürfen kulinarische Köstlichkeiten aus Armenien nicht fehlen. Ich freue mich, zusammen mit den Gästen auf Reise in den Südkaukasus zu gehen.
Habt ihr weitere Veranstaltungen geplant?
Ja. Das Miteinander mit den anderen Hallenser Städtepartnern und der Stadt Halle (Saale) läuft wunderbar und sehr, sehr freundschaftlich. Am 08.05.2026 stellen sich alle Hallenser Städtepartner im Stadthaus der interessierten Bürgerschaft vor. Das Datum ist bewusst gewählt – es ist Europatag. Sicherlich sind wir auch beim Laternenfest in Halle (Saale) im August 2026 wieder im Städtepartnerschaftsdorf vertreten.
Wie gestaltet sich die Städtepartnerschaft aus eurer Sicht?
Gut. Wir haben ein wunderbares Miteinander im Vereinsleben und starke Partner an unserer Seite. Insbesondere sollen hier die Stadt Halle (Saale), das Land Sachsen-Anhalt und die AGSA erwähnt werden. Auch die Botschaften und Konsulate in Armenien, Gjumri, Berlin und Naumburg beflügeln die Städtepartnerschaft und öffnen auch Türen.
Was habt ihr für die Zukunft geplant?
Derzeitig organisieren wir die zweite Bürgerreise nach Gjumri. Sowohl Halle (Saale) als auch Gjumri haben eine sehr aktive Künstlerszene. Dies ist der Schwerpunkt dieser Bürgerreise. Dabei wollen wir u. a. Akteure der Kunst- und Kulturlandschaft von Halle (Saale) – z. B. Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Kunststiftung Sachsen-Anhalt – mit den Akteuren der armenischen Partnerstadt (Kunstakademie Gyumri) in den Austausch bringen. Exponate von Studierenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein sollen dabei in Form einer Ausstellung der Bürgerschaft in Gjumri gezeigt werden. Die Bürgerreise ist im Oktober 2026 geplant.
Wo seht ihr Herausforderung und welche Wünsche habt ihr?
Die Herausforderung besteht darin, dass wir das Städtepartnerschaftsvorhaben in unserer Freizeit, im Ehrenamt, neben unserem Berufs- und Familienalltag organisieren. Das ist, schätze ich mal, die größte Herausforderung, die es gilt zu meistern. Dabei stellen uns jede (bürokratische) Berichtspflicht vor größere Mehraufwendungen, bei welchen wir eigentlich nicht an unserem Städtepartnerschaftsprojekt arbeiten. Ferner fällt das Einladungsprozedere von Bürgerinnen und Bürgern aus Gjumri in die Partnerstadt Halle (Saale) über die Deutsche Botschaft Eriwan in Armenien in dieselbe Rubrik, wie oben erwähnt. Im Ehrenamt kann man kaum diesen gewaltigen Antragswust fristgerecht für eine geplante Veranstaltung in Sachsen-Anhalt stemmen. Das ist leider ein Showstopper. Alle Akteure wissen um diesen Missstand und sind an einer Verbesserung bemüht. Da hat sich auch im Laufe des Städtepartnerschaftsvorhabens einiges zum Positiven getan. Das haben wir schon mitbekommen. Um jedoch diese Partnerschaft noch weiter auszubauen, bedarf es hier weiterer Anstrengungen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir auch dies meistern werden, da alle Partner am gleichen Strang ziehen … und das fühlt sich gut und richtig an.
Vielen Dank für das Interview an Armen Klisch, Vorstandsvorsitzender des German-Armenian Friendship Society Halle-Gyumri e.V.
Redaktion Deine-Welt-Blog
Gabriel Rücker
Projektkoordinator*in
Telefon: +49 (0)391/ 5371-206
E-Mail:[email protected]
Kontakt
Armen Klisch
Deutsch-Armenische Freundschaftsgesellschaft Halle-Gyumri e.V.
Tel.: +4916097026308
Mail: [email protected]

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