Ein Stück Geschichte deutsch-vietnamesischer Freundschaft

25 Jahre einewelt haus

Mit dieser ersten Ausgabe des Magazins 2021 möchten wir eine neue Rubrik einweihen, die dem einewelt haus gewidmet ist. Es feiert dieses Jahr sein erstes Vierteljahrhundert. Das einewelt haus beherbergt seit 1996 alle Arten von Veranstaltungen, fördert interkulturelle Begegnungen und Bildungsaktivitäten und ist ein Symbol für Vielfalt und Integration. In dieser Runde sprechen wir mit Frau Ha darüber. Die Sprecherin des Deutsch-Vietnamesischen Freundschaftsvereins Magdeburg war von Anfang an ein Teil des Hauses. Ihr Verein hat das Haus geprägt.

 

Foto: Vietnamesisch-Sprachkurs 

Francesca Caporali spricht mit Vu Thi Hoang Ha 


Frau Ha, erzählen Sie uns von der Geschichte Ihres Vereins und wie sein Schicksal und das vom einewelt haus miteinander verflochten sind.

 

Die Geschichte unseres Vereins ist eng mit der Geschichte der vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen in der DDR verbunden. Kurz nach der Wiedervereinigung fühlten sich viele Vietnames*innen von deutschen Institutionen verlassen. Einige kehrten in ihr Heimatland zurück. Diejenigen, die blieben, lebten in einer prekären Lage mit begrenzter Aufenthaltserlaubnis und ohne Arbeitsverträge. Es war eine Zeit von starkem Rassismus, Beschimpfungen und täglichen Angriffen gegen die vietnamesische Bevölkerung. In diesem Zusammenhang wurde 1992 der Deutsch-Vietnamesische Freundschaftsverein gegründet, damit wir eine Anlaufstelle für vietnamesische Menschen hatten. Der Verein ist eine der frühesten Selbstorganisationen von Migrant*innen in Ostdeutschland nach der Wende. Er war ein Symbol des Trotzes. Eine Art zu sagen: „Wir warten nicht auf die Hilfe von anderen Menschen, sondern wir bauen unsere Existenz selbst auf“.

 

Als das einewelt haus 1996 gegründet wurde, war unser Verein ein Mitbegründer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt, die erst ein Jahr zuvor gegründet worden war. Das Haus ist der AGSA vom Wirtschaftsministerium übertragen worden, um mit ihren Mitgliedsorganisationen einen Ort der Begegnung aufzubauen. Das Haus sollte eine Begegnungsstätte darstellen, wo verschiedene Menschen und Vereine zusammentreffen könnten, um gemeinsam gegen Rassismus zu kämpfen und ein friedliches Zusammenleben zu führen. In diesem Sinne haben wir als Deutsch-Vietnamesischer Freundschaftsverein auch unser eigenes Büro in der ersten Etage des Hauses bekommen, wo wir uns mit unserer Integrationsarbeit, unseren Beratungen und Begleitungen noch heutzutage beschäftigen.

 

Das einewelt haus wird dieses Jahr 25 Jahre alt. Welche Gefühle weckt diese Erkenntnis in Ihnen?

 

Ah (sie lächelt)! Die Zeit vergeht so schnell! Es ist unglaublich zu denken, dass es schon 25 Jahren sind! Wir als Deutsch-Vietnamesischer Freundschaftsverein sind sehr stolz darauf, dass wir seit seiner Begründung im einewelt haus sitzen. Es war eine wertvolle Möglichkeit, das Haus nutzen zu können. Wir fühlen uns sehr wohl im Haus. Das ist unser Haus.


„Die Zeit vergeht so schnell. Es sind schon 25 Jahre!“


Welche Initiativen Ihres Vereins sind ihnen in Erinnerung geblieben?

 

Die erste, die mir in den Sinn kommt, sind unsere Neujahrsfeste. In den 90er Jahren waren sie sehr berühmt, und sind so populär geworden, dass die Nummer der Teilnehmenden 300 erreichte und wir gezwungen waren, einen größeren Ort zu suchen. Dann haben wir als Deutsch-Vietnamesischen Freundschaftsverein viele anderen Veranstaltungen im einewelt haus organisiert. Wir haben Schulprojekte mit verschiedenen Schüler*innen aus verschiedenen Schulen gemacht, Filme (z.B. über das Leben der Schüler*innen im Vietnam) gezeigt und gemeinsam mit den Schüler*innen die Speisen unseres Heimatlandes vorbereitet und gegessen. Wir haben jeden Sonntag vor dem Coronavirus vietnamesische Sprachkurse für Kinder im EWH angeboten. In den letzten Monaten gab es über 50 Kinder in den Kursen. Und wegen diesen Kursen haben wir manchmal am Wochenende ein Familientreff mit den Eltern gemacht und gemeinsam gefeiert. Für die Eltern der vietnamesischen Familien haben wir auch Seminare gegeben und mit ihnen über verschiedene Themen (z.B. Erziehungsprobleme in der Familie) diskutiert.

 

Auch die anderen Vereine des EWH haben mit ihren Veranstaltungen zum Wert des Hauses beigetragen. Das Kulturfestival, der Frauentag am 8. März, die Interkulturellen Wochen und viele andere Events haben das Haus zu einem echten, offenen Begegnungszentrum für alle Bürger*innen gemacht. Das EWH ist ein Begriff für die Leute in Magdeburg!

 

Was denken Sie über die Geschichte des Hauses?

 

Das Haus selbst, als Gebäude verstanden, hat im Laufe der Jahre seinen Zweck völlig verändert. In der DDR-Zeit war es nämlich eine Klinik für kranke Menschen. Als ich noch als Dolmetscherin für die Vertragsarbeiter*innen arbeitete, bin ich mit einer Frau in der Klinik gewesen. Was für ein Zufall! Dann nach der Wende hat das Haus für kurze Zeit die Büros des Sozialministeriums beherbergt. Und 1996 ist es das Gebäude das einewelt haus geworden. 

 

Das, was das Arbeiten im EWH angenehm macht, sind besonders die Menschen. Wir haben sehr nette und hilfsbereite Kolleg*innen, die uns immer unterstützen. Wir arbeiten oft und gerne zusammen und das schafft eine offene und freundliche Atmosphäre.

Vielen Dank für das Gespräch! 


„Wir fühlen uns sehr wohl im Haus. Das ist unser Haus“ .